Duftreisebericht Sri Lanka
Zimt und Zukunft, Vetiver und Verbindung
Duftpflanze: Zimt, Patchouli, Vetiver, Lemongrass
Anbaugebiet: Sri Lanka
Anbaupartnerschaft seit: 2024
Besonderheiten: XXX
Zwischen Zimthainen, Vetiver, Patchouli und anderen Gewürz- und Aromapflanzen zeigt sich in Sri Lanka, wie viel Handarbeit und traditionelles Wissen jedes ätherische Öl beinhaltet. farfalla-Gründer Jean-Claude Richard besucht ein Projekt, in dem höchste Bio-Qualitätsstandards, zertifizierte Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung untrennbar verbunden sind.
Früh um fünf Uhr reisst mich der Wecker aus dem Schlaf. Vom Balkon meines Hotels lasse ich den Blick über das Meer schweifen und spüre die angenehme Temperatur von 26 °C, während die frühen Sonnenstrahlen den Himmel in Pastelltönen einfärben. Ich geniesse die fast meditative Stille, die Colombo zu dieser frühen Stunde umfängt.
Mit der Ruhe ist es schnell vorbei, als mich Chamilla eine Stunde später abholt und durch den zunehmenden Morgenverkehr der Hauptstadt schlängelt. Chamilla ist der junge Geschäftsführer des Duftpflanzenprojekts hier auf Sri Lanka – und lässt sich auf den rund siebzig Kilometer durch die Insel und während fast drei Stunden von mir löchern. Die 18 Punkte der farfalla-Score-Karte dienen mir als Leitfaden, um rund um Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und biologischen Landbau alles über seine Duftpflanzen-Kooperative zu erfahren. Die Score-Karte haben wir bei farfalla entwickelt, um unsere Lieferant:innen zu bewerten, zu vergleichen und bei ausserordentlichem Engagement unser Grand-Cru-Logo zu vergeben. In Chamillas Erzählungen spüre ich die Leidenschaft, die er in diese Fairtrade-Kooperative steckt. Besonders beeindruckt mich, wie informiert und reflektiert der diplomierte Chemie-Ingenieur über die Situation im Land und internationale Zusammenhänge spricht. Er denkt sehr ganzheitlich und ist bestrebt, seine Firma zukunftsfähig international auszurichten und sein Heimatland zu modernisieren, ohne landestypische Traditionen zu vernachlässigen.
In einer hügeligen, grünen Region verlassen wir die Hauptstrasse und bald auch das Auto. Zu Fuss geht es auf schmalen Pfaden in Richtung der Zimthaine. Das Klima ist schwül-heiss, die Vegetation aufgrund der regelmässigen Regenfälle äusserst üppig. Die feuchte Vegetation am Waldboden ist der Lebensraum unzähliger Blutegel, und prompt heftet sich einer an mein linkes Bein. Doch dies ist hier Teil des Erlebnisses: Mein Begleiter entfernt den kleinen Blutsauger gekonnt.

Bald stehen wir zwischen jungen Zimtpflanzen, die hier zu kleinen Bäumen heranwachsen sollen. Dürfen sie ungehindert gedeihen, werden die Bäume bis zu dreissig Meter hoch. Da aber für die Zimternte kleinere Äste mit 2-3 cm Durchmesser verwendet werden, schneidet man die Pflanzen in einem relativ jungen Stadium.
Zimt-Kunst
Chamilla erklärt mir die traditionelle Kunst der Zimtverarbeitung, die zum kulturellen Erbe des Landes gehört: Zunächst entfernen die Bauern die jüngeren Äste vom Baum und bringen sie zu einer nahegelegenen Sammelstelle. Dort raspeln sie die äussere Rinde ab, da erst die darunterliegende Schicht die begehrte, aromatische und qualitativ hochwertige Zimtrinde enthält. Mithilfe eines Rohrs wird sie so lange gepresst, bis sie sich vom Ast löst und mit einem scharfen Messer in etwa 40 cm lange Stücke geschnitten werden kann. Im Trocknungsprozess rollt sich die Rinde zu den charakteristischen Zimtrollen zusammen, die ineinander gesteckt und als Gewürz verkauft werden. Zu kurze oder zerbrochene Stücke werden für die Destillation des ätherischen Zimtöls genutzt.
Vetiver, Lemongrass und Patchouli
Neben Zimt wachsen im Projekt auch Vetiver, Lemongrass und Patchouli – Aromapflanzen mit ganz unterschiedlichem Charakter. Lemongrass gedeiht schnell im feucht-warmen Klima und kann mehrmals jährlich geschnitten werden. Sein frischer, zitroniger Duft entsteht durch die Wasserdampfdestillation des Grases. Auch Vetiver ist ein Süssgras, von dem jedoch die Wurzeln und mehr Geduld benötigt werden: Erst nach Monaten werden diese geerntet und über viele Stunden destilliert. So entsteht ein tiefgründiger Duft, der in der Aromatherapie und Parfumkunst seine Bedeutung hat. Ebenso Patchouli, der mit seinem charakteristischen, erdig-süssen und würzigem Duft Sri Lankas Aromawelt bereichert.


Investitionen in die Zukunft
Mit optimalen Bedingungen für die Natur, für seine Mitarbeitenden und Bauern und im Speziellen für die jungen Menschen, so ist Chamilla überzeugt, kann sein Unternehmen eine führende Rolle in der Landwirtschaft Sri Lankas spielen. Sein Augenmerk auf den Bereichen Agroforstwirtschaft (Wald-Mischkultur), Biodiversität und Fairtrade ist ebenso vorbildlich wie seine Investitionen in die technischen Maschinen und Geräte. Die Grand Cru-Punkte auf meiner Checkliste summieren sich.
Nach dem Mittagessen versammeln sich am Hauptsitz der Fairtrade-Kooperative rund vierzig Bauern, sodass ich die Gelegenheit habe, die Mitglieder persönlich kennenzulernen. Viele der Anwesenden sind auch gekommen, um ihren Anteil des kostenlosen Bio-Düngers abzuholen, der durch die Kooperationspartner finanziert wird. Die Begrüssung ist entsprechend herzlich, und ich darf jedem Bauern persönlich einen Sack des selbst produzierten Bio-Düngers übergeben.
Moderne Verarbeitung, soziales Engagement und Traditionsverbundenheit
Schliesslich zeigen mir Fabrikchef und Qualitätsmanager die Verarbeitungsanlagen für die Gewürze, die vier Destillationsanlagen und auch die modernen Labore zur Analyse und Qualitätssicherung, die auf neuestem internationalen Stand sind. Den Abschluss bildet eine Diskussionsrunde zu den Sozialmassnahmen für die Mitarbeitenden. Besonders beeindruckt bin ich von den sozialen Benefits und dem ökologischen Engagement: Alle zwei Wochen steht den Mitarbeitenden kostenlos ein Arzt zur Verfügung, kulturelle Feste werden unterstützt, Kosten für Beerdigungen von Angehörigen übernommen und Projekte zur Wiederaufforstung finanziert, um einige Beispiele zu nennen. In einem Umfeld, das vielerorts noch von traditionellen Rollenbildern geprägt ist, setzt das Unternehmen bewusst auf Frauenförderung. Mitarbeiterinnen erhalten Weiterbildungen, Aufstiegsmöglichkeiten sowie Schulungen zu Ökologie und Frauenrechten.
Hier in Sri Lanka bin ich wunderbaren Menschen begegnet, die hinter einigen unserer ätherischen Öle stehen. Mit so viel Leidenschaft, sozialer Verantwortung und Engagement haben Zimt, Vetiver, Patchouli und Lemongrass unser Grand Cru-Label verdient. Hier wird traditionelle Landwirtschaft zukunftsfähig – und etabliert dabei selbst neue Standards und Perspektiven.

Zimt ≠ Zimt: Echter Ceylon-Zimt (Cinnamomum ceylanicum) unterscheidet sich vom günstigeren Cassia-Zimt aus China. Er enthält von Natur aus deutlich weniger Cumarin – einen Pflanzenstoff, der in höheren Mengen die Leber belasten kann. Sein Duftprofil ist feiner und milder.
Patchouliöl wird aus den Blättern des Lippenblüters gewonnen, die vor der Wasserdampfdestillation trocknen müssen – erst dadurch entwickelt sich sein charakteristisches Duftprofil.
Vetiver: Vetiveria zizanioides (bot. Name), kontr. biologischer Anbau.
Vetiveröl wird durch Wasserdampf-Destillation aus den Wurzeln eines tropischen Süssgrases gewonnen. Sein Duft ist schwer, grün holzig und süss und wird oft für herb-holzige Männerparfums eingesetzt.
Körperliche Wirkung: Vetiveröl in hautfreundlicher Verdünnung fördert die Hautregeneration bei reifer, trockener Haut. Es wird auch zur Abwehr von Insekten und bei Muskelschmerzen geschätzt.
Psychische Wirkung: Erdende und entspannende Eigenschaften. Zudem ist der Duft aufbauend und stärkend, womit er auch zu Themen wie Stress und Unruhe passt. Es fördert das Selbstvertrauen und das emotionale Gleichgewicht.
Besonderes: Mit seinen tiefreichenden Wurzeln schützt Vetiver vor Erosion, verbessert den Wasserrückhalt im Boden und trägt zur langfristigen Fruchtbarkeit landwirtschaftlicher Flächen bei.
