Wenn im Mai und Juni die Felder im Hinterland der französischen Atlantikküste in ihrem lila-blauen Blütenglanz erstrahlen, fühlen wir uns beim Hindurchschreiten ganz verzaubert. Im Prozess zur Gewinnung des himmlischen ätherischen Öls spielt vor allem Zeit eine Rolle - und ja, vielleicht ist auch ein wenig Magie im Spiel... denn nicht aus den göttinnengleichen Blüten wird der begehrte Duft gewonnen, sondern aus den unscheinbaren Rhizomen. 

Botanik und Wirksamkeit

Botanisch gesehen hat die Iris germanica, die wir auch als Schwertlilie bezeichnen, tatsächlich die besondere Gabe, sowohl in extrem feuchten Gebieten wie in sehr trockenen Landstrichen zu überleben. Ihre auffälligen knollenartigen Rhizome haben die fantastische Fähigkeit, Wasser zu speichern und die Pflanze vor der Austrocknung zu schützen. Das Rhizom nimmt oberirdisch Luftfeuchtigkeit und Licht auf, daneben zieht ein feines Wurzelgeflecht Feuchtigkeit aus der Erde. Dass aus diesem Rhizom das ätherische Öl gewonnen wird, erklärt seine Bedeutung für die feuchtigkeitsarme Haut: 

Die Naturkosmetik-Chemikerin schwärmt:
«Die Fähigkeit, den Feuchtigkeitshaushalt zu managen, prädestiniert das ätherische Öl der Iris als Wirkstoff für die trockene Haut. Es wirkt zellregenerierend, zellschützend und verlangsamt den Alterungsprozess der Haut.“ Auf der psychischen Ebene hat es harmonisierende und sehr ausgleichende Eigenschaften. Dazu erklärt die Aromatherapeutin: «Irisöl ist mit seinem hohen Anteil an Sesquieterpenketonen etwas sehr Besonderes und wir betrachten es als kleines Juwel unter den ätherischen Ölen. Seelisch wirkt es beruhigend und ausgleichend, in der Hautpflege sehr hautregenerierend. Da es sehr kostbar ist, wird es meist nur in Mischungen verwendet und oft im Zusammenhang mit Parfums oder erlesener Hautpflege eingesetzt.» 

Bei seelischen Wunden wird seine heilende Wirkung hervorgehoben. Zur mythologischen Verbindung von Himmel und Erde passt auch seine unterstützende Rolle in der Sterbebegleitung.
In der Parfumherstellung ist der pudrige Duft der Iris eine wichtige Komponente und ein Fixativ - und macht ein hochwertiges Naturparfum zu einer echten Kostbarkeit.

iris_rhizome_bio.png Von der Wurzel zur Butter

Nachdem im Herbst des ersten Jahres die Wurzelknollen der Iris germanica auf den Feldern gepflanzt werden, haben die Pflänzlein erstmal Pause: Sie dürfen drei Jahre in der Erde ruhen, wachsen, zur Blüte kommen.

Im August des dritten Jahres ist es soweit: Nun werden die Wurzeln von Hand ausgegraben und vorsichtig getrennt. Nachhaltigkeit verpflichtet: Ein gewisser Teil verbleibt im Feld, um neue Pflanzen für die nächsten Jahre zu sichern. Der diesjährige Ernteertrag wird gewaschen und für kurze Zeit in der Sonne getrocknet. Dann werden die Wurzeln in kleine Chips geschnitten und in Jutesäcke gepackt. Doch für die Entfaltung der Duftmagie braucht es abermals viel Zeit – denn die gewünschten Düfte entstehen erst während der anschliessenden Lagerung im Dunkeln – ein Prozess, der wiederum drei Jahre dauert. Erst jetzt reift in den Wurzeln der begehrte Duftstoff, für den Moleküle namens Irone verantwortlich sind. Erst wenn der maximale Gehalt an Ironen erreicht ist, werden die Wurzeln aus der Dunkelheit erlöst, von Hand geschält und in einer speziellen Mühle zu Irispulver gemahlen. 

iris_chips_destillation.png

Mit der traditionellen Methode der Wasserdampfdestillation wird das ätherische Öl aus den gemahlenen Wurzeln gelöst. Aufgrund seiner im erkalteten Zustand buttrigen Konsistenz wird es auch als "Beurre" bezeichnet – als Iris-Butter. 

Nach sechs Jahren Produktionszeit schwankt die Ausbeute zwischen 0.01 % bis und 0.4%. Das ist extrem wenig. Entsprechend variieren die Preise je nach Iron-Gehalt und Herkunft der "beurre d’iris" zwischen 12'000 bis 40'000 Euro – hier bedingen die Kosten auch bereits eine wertschätzende Verwendung! Darum findet farfalla-Parfumeur Jean-Claude Richard: 
«Es ist für jede*n Parfumeur*in ein Privileg, diese Kostbarkeit in eine Duftkomposition einarbeiten zu dürfen. Iris gehört zu den teuersten Duftstoffen dieser Welt, und ihr Duft ist absolut einzigartig. Sie ist facettenreich, weich und pudrig mit reizvollen Noten von Veilchen und Mimose, holzigen Akzenten, leichter Himbeere und Vanille. Iris passt sehr gut zu weichem Sandelholz, aber auch zu vielen Blütennoten. Zudem schafft sie eine schöne, harmonische Verbindung zwischen Basis- und Herznoten.»


 

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